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Eine Glücksspielsucht kommt selten allein – Häufige Begleiterkrankungen bei Betroffenen

Wer unter einer Glücksspielsucht leidet, kämpft oft nicht nur mit den Folgen des Spielens selbst. Eine große, zusammenfassende Analyse zeigt: Mehr als vier von fünf Betroffenen leiden zusätzlich zur Glücksspielsucht unter mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung.

Eine nachdenklich wirkende Person steht im Schatten an einer Wand, mit Blick in Richtung Licht – Symbolbild für psychische Belastung und Hoffnung auf Veränderung bei Glücksspielsucht.

Bild: Jordan Lye / gettyimages

Die ganze Welt erscheint trist. Wer an einer Depression leidet, fühlt sich oft antriebslos und leer, ohne das Gefühl zu haben, dass sich das bald bessert. Anderen wiederum fällt es schwer, abzuschalten und sie sind dauerhaft nervös und angespannt. Dann kann eine Angststörung dahinterstecken. Depressionen und Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen treten bei Spielsucht besonders häufig auf

Menschen mit Spielsucht sind davon besonders häufig betroffen, wie eine zusammenfassende Analyse zeigen konnte. Für diese Analyse hat ein Forschungsteam 12 Studien gemeinsam ausgewertet. In all diesen Studien wurde untersucht, wie oft Menschen mit einer Spielsucht auch andere psychische Erkrankungen haben.

Sucht-, Stimmungs- und Angststörungen sind die häufigsten Begleiter

Am häufigsten treten neben der Spielsucht andere Suchterkrankungen auf. Mehr als jede dritte Person mit einer Spielsucht lebt zusätzlich mit einer Alkohol-, Drogen- und/oder Nikotinabhängigkeit.

Auch Depressionen oder bipolare Störungen sind weit verbreitet. Rund ein Drittel der Menschen mit Spielsucht ist davon betroffen. Fast ebenso häufig treten Angststörungen auf: Etwa 30 % der Betroffenen leiden unter dauerhafter Anspannung, Grübeln oder Zukunftsängsten.

Etwas seltener - aber immer noch häufiger als der Durchschnitt - sind Persönlichkeitsstörungen. Rund 14 % sind von ihnen betroffen. Auch psychotische Erkrankungen treten häufiger auf. Das sind Erkrankungen, bei denen Betroffene den Bezug zur Realität verlieren. Das kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass sie Dinge sehen oder hören, die andere nicht wahrnehmen - sogenannte Halluzinationen.

Insgesamt konnten die Forschenden ausrechnen: Wer spielsüchtig ist, hat über 10 Mal so oft auch eine andere psychische Erkrankung als der Durchschnitt.

Was war zuerst da? Die Spielsucht oder die andere Erkrankung?

Da stellt sich die Frage: Werden die Personen depressiv oder entwickeln Ängste, weil sie spielen? Oder spielen sie, weil die Depression oder Angststörung sie dazu bringt?

In einer anderen Studie wurde genau das untersucht. Und deren Ergebnis ist ausschlussreich: Bei etwa 3 von 4 Fällen war zuerst die andere psychische Störung da, insbesondere Depressionen und Angststörungen. Das spricht dafür, dass psychische Probleme eine Art Nährboden für eine Glücksspielsucht sein können.

Beim Substanzmissbrauch war es allerdings eher umgekehrt. In den meisten Fällen traten sie erst nach Beginn der Spielsucht auf. So könnte sein, dass die Spielsucht dann wiederum dazu führt, dass sich eher ein Alkohol- oder Drogenproblems entwickelt. Vielleicht, um die Verluste, die durch das Glücksspielen entstehen zu betäuben, die Nerven zu beruhigen oder länger wachbleiben zu können, um weiterspielen zu können.

Spielsucht und psychische Erkrankungen verstärken sich gegenseitig

Die Verbindung zwischen Spielsucht und psychischen Erkrankungen scheint jedoch keine Einbahnstraße zu sein. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Erkrankungen gegenseitig beeinflussen und hochschaukeln.

Außerdem ist auch von gemeinsamen Risikofaktoren auszugehen. Wer anfällig für Depressionen ist, hat so auch ein höheres Risiko, eine Sucht zu entwickeln. Dabei spielen beispielsweise die Gene eine Rolle, aber auch Kindheitserfahrungen.

Wo finde ich Hilfe?

Bei seelischen Problemen ist es ratsam, sich einer anderen Person anzuvertrauen. Das kann eine Person aus dem privaten Umfeld sein. Außerdem empfiehlt es sich, möglichst frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen.

Es gibt unter anderem folgende Beratungsmöglichkeiten:

Suchtberatungsstellen

Suchtberatungsstellen bieten Unterstützung bei Spielsucht und Begleiterkrankungen. Dort kann gemeinsam besprochen werden, ob z.B. eine Therapie sinnvoll ist.

Suchtberatungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie hier. Sie sind auch digital zu erreichen unter: www.suchtberatung.digital. Suchtberatung ist kostenlos, anonym und steht auch Angehörigen offen.

Online-Beratungsprogramm „Check Out“

Beim Thema Glücksspielsucht hilft auch das Online-Beratungsprogramm „Check Out“. Auch dies ist kostenlos und anonym nutzbar und kann auch begleitend zu einem Besuch einer Beratungsstelle genutzt werden.

In akuten Krisen

Wer akut Probleme hat, findet bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Unterstützung. Diese ist kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 sowie per Chat erreichbar.

 

 

Quellen:

  • Galeazzi, G. M., Marchi, M., & Castagnini, A. C. (2025). Psychiatric morbidity and gambling disorder: A systematic review and meta-analysis of population-based surveys. European psychiatry: the journal of the Association of European Psychiatrists, 68(1), e161. https://doi.org/10.1192/j.eurpsy.2025.10122
  • Kessler, R. C., Hwang, I., LaBrie, R., Petukhova, M., Sampson, N. A., Winters, K. C., & Shaffer, H. J. (2008). DSM-IV pathological gambling in the National Comorbidity Survey Replication. Psychological medicine, 38(9), 1351-1360. doi.org/10.1017/S0033291708002900
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