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Raus aus der Glücksspielsucht – was anderen beim Ausstieg geholfen hat
Raus aus der Glücksspielsucht – was anderen beim Ausstieg geholfen hat
Wenn Glücksspiel viel Raum im Leben einnimmt, ist Aufhören oft nicht leicht. Betroffene erzählen, was ihnen beim Ausstieg geholfen hat.
Bild: Johner Images / gettyimages
Das Wichtigste in Kürze:
Mit dem Glücksspiel aufzuhören, ist ein wichtiger Anfang. Danach muss der Alltag oft neu aufgebaut werden.
Hobbys, neue Routinen und Ziele und der Kontakt zu anderen Menschen können dabei helfen.
Es hilft, Glücksspiel-Apps, Werbung und Orte, die zum Spielen verleiten bewusst zu meiden.
Beratung und der Austausch mit anderen Betroffenen können den Ausstieg erleichtern.
Es braucht oft Zeit, bis sich Probleme lösen. Es hilft, das zu akzeptieren und schöne Momente bewusst zu genießen.
Aufhören ist der Anfang
Viele Menschen denken: Wer wirklich aufhören will, muss einfach stark bleiben und „Nein“ zum Glücksspiel sagen. Doch so einfach ist es nicht, wenn Glücksspiel zu einem festen Teil vom Leben geworden ist. Weil es hilft, Sorgen zu vergessen oder Probleme wegzuschieben.
Wenn man dann plötzlich aufhört, fehlt etwas. Deshalb reicht es nicht, einfach nur das Spielen wegzulassen. Man muss neue Wege für schwere Momente finden und den Alltag mit anderen Dingen füllen.
Ein Forschungsteam wollte besser verstehen, wie das klappen kann. Sie gaben 13 Personen, die auf dem Weg aus einer Glücksspielsucht waren, eine Kamera. Diese fotografierten alles, was ihnen beim Aufhören geholfen hat.
Das eigene Leben wieder füllen
** Ein Teilnehmer begann zum Beispiel wieder zu angeln. Das hatte ihm schon als Kind Freude gemacht. Eine andere Teilnehmerin fotografierte ihre Katzen im Garten. Die Tiere und die Zeit draußen gaben ihr Ruhe und Halt. (Bild: Johner Images / gettyimages)
Ein wichtiger Schritt war für viele Teilnehmenden wieder herauszufinden:
Was tut mir gut?
Was ist mir wichtig?
Wie möchte ich in Zukunft leben?
Dabei ging es nicht gleich um große Veränderungen. Viele Betroffene erzählten von verschiedenen Dingen, die ihnen dabei geholfen haben:
Wieder Kontakt zu Familie und Freunden aufnehmen
Ein altes Hobby neu anfangen
Mehr Zeit draußen verbringen
Feste Abläufe für den Tag finden
Neue Ziele entwickeln
Eine Person beschrieb diesen Neuanfang so:
Man erholt sich nicht einfach nur, sondern man erfindet sich neu. Danach lebe ich und frage mich „Was möchte ich jetzt sein“?
Dingen aus dem Weg gehen, die Lust aufs Spielen machen
Ein Teilnehmer zerschnitt zum Beispiel seine alte Casino-Mitgliedskarte. (Bild: Karl Tapales / gettyimages)
Es ist nicht einfach, wenn man nicht mehr spielen möchte, doch im Alltag trotzdem ständig dem Glücksspiel begegnet. Werbung erscheint beim Sport und Spielhallen liegen auf dem Weg zur Arbeit.
Eine Selbstsperre kann dabei ein wichtiger Schutz sein.
Die Personen in der Studie suchten nach weiteren Tricks für den Alltag. Manche gingen einen anderen Weg zur Arbeit, um nicht mehr an der Spielhalle vorbeizukommen. Andere warfen Dinge weg, die sie ans Spielen erinnerten. Eine Person zerschnitt zum Beispiel seine alte Casino-Mitgliedskarte.
Die folgenden Schritte können helfen, Glücksspiel im Alltag zu meiden:
Erst einmal Abstand zu Personen halten, mit denen Sie zusammen gespielt haben
Auch nach dem Aufhören kann es schwere Tage geben
Ein Teilnehmer fotografierte sein Auto, das er verkaufen musste, um Schulden zu bezahlen. (Bild: Chris Ryan / gettyimages)
Der Weg aus der Sucht ist oft ein Auf und Ab. Es gibt gute und schlechte Tage. An manchen Tagen kann die Lust zu spielen plötzlich wieder sehr stark sein. Das ist normal und sollte nicht verunsichern.
Hinzu kommt: Mit dem Ausstieg sind die Folgen des Glücksspiels nicht automatisch verschwunden. Schulden müssen noch lange zurückgezahlt werden. Beziehungen sind belastet. Viele spüren oft nach dem Aufhören erst, wie viel sie verloren haben.
Solche Verluste können traurig machen. Viele haben auch ein schlechtes Gewissen. Diese Gefühle zu ertragen, kann schwer sein. Trotzdem gehört auch das zum Ausstieg: sich den Folgen zu stellen. Wer weiterspielt, schiebt die Probleme nur für einen kurzen Moment beiseite.
„Ich musste dieses Auto verkaufen… Es war das Einzige, was ich mir selbst gekauft hatte.“
Die kleinen Dinge wahrnehmen
Eine Teilnehmerin fotografierte winzige Blumen am Straßenrand. Für sie waren sie eine Erinnerung daran, im Hier und Jetzt zu leben. (Bild: Arman Zhenikeyev / gettyimages)
Oft drehen sich die Gedanken im Kopf nur um Probleme und Verluste. Dann hilft es, genau hinzuschauen, hinzuhören oder zu fühlen, was im Moment da ist.
Die Probleme verschwinden dadurch nicht. Aber das Gedanken-Karussell stoppt für einen kurzen Moment. Das tut gut und beruhigt den Kopf.
Eine Teilnehmerin beschrieb ihre Hoffnung so:
(...) Es ist nie zu spät, der Mensch zu werden, der man hätte sein können. Das gibt mir Hoffnung. Ich werde meine Zeit nicht damit verschwenden, zurückzuschauen und darüber nachzudenken, was ich alles verloren habe. Ich werde jetzt handeln. Ich werde jetzt tun, was ich kann – auch wenn meine Möglichkeiten begrenzt sind.
Unterstützung annehmen
Viele Teilnehmende fanden professionelle Beratung hilfreich. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen gab ihnen Kraft.
Sind Sie ebenfalls betroffen? Sie müssen den Weg aus dem Glücksspiel nicht alleine schaffen. Die Berater:innen von Check dein Spielunterstützen gerne beim Ausstieg aus dem Glücksspiel.
Im geschützten Forum des Beratungsprogramms Check Out können sich Teilnehmende außerdem mit anderen Betroffenen austauschen. Das Forum ist nur für Personen einsehbar, die am Beratungsprogramm teilnehmen.
McCarthy, S., Pitt, H., Fung, P., Potter, M., Arnot, G., & Thomas, S. (2026). ‘I Battle With This Gambling Addiction Every Day’. Learning From Lived Experiences of Recovery to Guide Gambling Harm Prevention Strategies. Health Expectations, 29(3), e70719. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/hex.70719
* Die Originalzitate wurden ins Deutsche übersetzt.