Angehörige leiden oft mit
Glücksspielsucht betrifft nicht nur die spielende Person. Auch Partner:innen sind häufig stark belastet, seelisch und körperlich. Viele berichten von anhaltendem Stress, Schlafproblemen, depressiven Gefühlen, Wut, Schuld oder ständiger innerer Anspannung.
Ein Forschungsteam aus Spanien hat deshalb 30 Paare untersucht, bei denen der Mann von einer Glücksspielsucht betroffen war. Die Forschenden wollten wissen: Wie gehen diese Paare mit Konflikten um? Wie gut können sie mit ihren Gefühlen umgehen? Und wie zufrieden sind sie noch mit ihrer Beziehung?
Mehr zur Studie finden Sie hier.
Angehörige bewerten die Beziehung oft schlechter
Die Ergebnisse zeigen ein interessantes Muster. So zeigt sich, dass die Spielenden die Beziehung im Durchschnitt besser bewerteten als ihre Partner:innen. Eine mögliche Erklärung: Wer Unterstützung erhält, fühlt sich getragen und stabilisiert. Das kann die Zufriedenheit mit der Beziehung stärken.
Angehörige hingegen scheinen die Folgen der Sucht stärker wahrzunehmen. Auch, weil sie oft gezwungen sind, die Folgen selbst mitzutragen. Genau das kann zu einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Beziehung führen.
Wenn Helfen zur Belastung wird
Gleichzeitig geraten die Angehörigen zunehmend an ihre Grenzen. Sie tragen häufig die Hauptlast im Alltag. Reizbarkeit und Überforderung können dann ein Zeichen der Erschöpfung sein.
Denn in vielen Beziehungen entwickelt sich mit der Zeit eine feste Rollenverteilung: Die spielende Person gerät immer tiefer in Schwierigkeiten, während die Partnerin oder der Partner versucht, alles aufzufangen.
Oft zeigen sich dabei folgende Verhaltensweisen bei Angehörigen:
- Sie erfinden Ausreden, wenn der Partner berufliche oder schulische Pflichten vernachlässigt.
- Sie halten das Spielproblem nach außen geheim.
- Sie spielen die Problematik herunter oder hoffen, dass es „von selbst besser wird“.
- Sie vermeiden Gespräche über das Spielen, um Konflikte zu vermeiden.
- Sie übernehmen zunehmend Verantwortung und rutschen in eine Art „Elternrolle”: Sie kontrollieren das Konto, erinnern an Termine und versuchen alles zusammenzuhalten.
Hinter diesem Verhalten steckt oft der Wunsch, zu helfen oder die Beziehung zu schützen. Bei einigen ist es auch das Bedürfnis gebraucht zu werden. Doch dieses Verhalten kostet Kraft. Und wenn eine Person dauerhaft die Verantwortung übernimmt, gerät das Gleichgewicht von Geben und Nehmen aus der Balance.
Hinzu kommt: Viele Angehörige wollen helfen, merken aber, dass sich trotzdem nichts ändert. Das macht hilflos und ohnmächtig. Und dieses Gefühl kann sehr belasten und einsam machen.
Auf die eigenen Grenzen achten
Während die spielende Person immer weniger Eigenverantwortung übernimmt, ziehen sich manche Angehörige emotional zurück. Sie sprechen eigene Sorgen nicht mehr an, da sie ihren Partner „nicht zusätzlich belasten wollen“. So bleiben sie mit ihren Gefühlen allein.
Für eine Veränderung kann es deshalb wichtig sein, wieder mehr Abstand zuzulassen und auf sich selbst zu achten.
Denn ihre eigene seelische Gesundheit ist genauso wichtig, wie die ihres Partners oder ihrer Partnerin. Und sie kann dabei helfen, dass sich die Situation langfristig verbessert. Auf sich selbst zu achten, ist deshalb keineswegs egoistisch, sondern richtig und wichtig.
Hinzu kommt: wenn sie gut für sich sorgen, geben Sie der betroffenen Person auch den Raum, selbst Verantwortung zu übernehmen. Genau das kann auf Dauer die Beziehung stabilisieren.
Konkrete Tipps zum Umgang mit der Spielsucht eines Partners finden Sie hier: Was können Angehörige tun?
Gute Gespräche können Beziehungen stärken
Was einen positiven Einfluss haben kann ist auch die Art, wie Menschen miteinander sprechen. Denn die Studie zeigt auch: Paare sind zufriedener, wenn sie gut miteinander reden. Gute Gespräche können also helfen, eine Beziehung zu schützen und zu stärken. Gute Kommunikation bedeutet zum Beispiel:
- Echtes Interesse daran haben, wie der andere denkt und fühlt,
- Gut zuhören und bei Unklarheiten nachfragen,
- Den anderen nicht unterbrechen und keine Vorwürfe machen,
- Probleme gemeinsam lösen statt gegeneinander zu kämpfen.
Auch Angehörige brauchen Unterstützung
Gleichzeitig gilt: Angehörige müssen nicht alles alleine schaffen. Gibt es Menschen in Ihrem Umfeld, denen Sie sich anvertrauen können? Ein offenes Gespräch mit einer vertrauten Person kann entlasten.
Darüber hinaus gibt es professionelle Unterstützungsangebote. Im Angehörigenprogramm Time Out erhalten Sie kostenlose und anonyme Unterstützung durch erfahrene Berater:innen. Gemeinsam können Sie über Ihre Situation reden und neue Wege im Umgang mit der Belastung entwickeln.
Weitere Informationen für Angehörige finden Sie hier: